Vom blauen Haken zum blauen Dunst
Wie X mir für 100 Yen ein Seepferdchen-Abzeichen verkaufen will, das genauso viel wert ist wie damals in der Schwimmhalle 1989
Früher, als ich sieben war, musste ich 25 Meter ohne Armbewegung schwimmen, einmal kopfüber reinspringen und ein Seepferdchen aus Stoff auf meinen Badeanzug genäht bekommen. Das war hart erarbeitet, hat mich stolz gemacht und war (bis auf die 2 DM Schwimmkursgebühr) kostenlos.
Heute, 2025, bietet mir die „free speech absolut“-Plattform X ein nagelneues Abzeichen an. Nicht aus Stoff. Nicht durch Leistung. Sondern für 100 japanische Yen – oder gestern noch 1 Dollar, je nach Laune des Algorithmus.
Dieses Abzeichen beweist exakt dasselbe wie mein altes Seepferdchen: Dass ich bezahlt habe. Und dass ich trotzdem nicht schwimmen kann – hier: nicht gesehen werde, nicht gehört werde und weiter im Bot-Sumpf untergehe.
Der einzige Unterschied: Damals war ich stolz. Heute ist es mir einfach nur noch peinlich – für die, die es verkaufen.
Weihnachten kommt. Die nächste Welle kommt. Und das Einzige, was X mir dieses Jahr wirklich schenkt, ist die Gewissheit, dass mein Seepferdchen von 1989 mehr Ehre und Wert hatte als ihr ganzer blauer Haken 2025.
Danke, Elon. Nächstes Jahr wünsche ich mir vielleicht doch wieder das Bronze-Abzeichen. Das musste man wenigstens noch selbst erschwimmen.